24 Decembar 2009
Nachdem sich die Schülerinnen und Schüler der Klassen 8a und 8b im evangelischen Religionsunterricht einige Wochen lang mit dem Islam auseinandergesetzt hatten, beschlossen sie, das Thema mit dem Besuch einer Moschee abzurunden.
Wir fragten bei Herrn Hodzic Bilal, dem amtierenden Imam des Bosnischen Islamischen Kulturzentrums in Ulm, wegen eines Termins für einen Besuch nach. Und heute war es dann so weit!
Mit klopfenden Herzen zogen 25 Schülerinnen und Schüler im Vorraum ihre Stiefel und Schuhe aus, die Mädchen setzten ihre Kopftücher auf, wie es der Koran für Frauen und Mädchen, die eine Moschee betreten, vorschreibt. Auf Strümpfen betraten wir den wunderschönen türkisfarbenen Teppich, mit dem der Raum für den Gottesdienst ausgelegt ist, und setzten uns im Halbkreis auf den Boden.
Der Imam erklärte uns zunächst, was die drei großen „Buchreligionen“ – das Judentum, das Christentum und der Islam – gemeinsam haben, z. B. den Glauben an Gott und die Engel, ein Buch, in dem der Inhalt der jeweiligen Religion niedergelegt ist, den Glauben an ein Weiterleben nach dem Tod und an ein Jüngstes Gericht.
Weiter ging es mit den Unterschieden zwischen Islam und Christentum, also mit dem, was den Glauben der Muslime auszeichnet. Hier kamen besonders die 5 Säulen des Islam zur Sprache: Das Glaubensbekenntnis („Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Prophet.“), das regelmäßige (fünfmalige) Gebet, die Zakat (Armensteuer), die reiche an arme Muslime zur Unterstützung verteilen, das Fasten im Fastenmonat Ramadan und die Pilgerfahrt nach Mekka, die jeder Muslim einmal im Leben durchführen sollte. Immer wieder beteiligte der Imam uns, indem er Fragen an uns stellte, und wir waren stolz, Herrn Bilal zeigen zu können, was wir in den letzten Wochen gelernt hatten!
Ein besonders feierlicher Moment während unseres Besuches war die Teilnahme am Mittagsgebet, das wie jeden Tag um 12:20 Uhr stattfand! Hier erlebten wir den Imam als Vorbeter für zehn weitere Männer, die in Richtung Mekka gewandt standen, sich bückten, niederknieten, mit der Stirn den Boden berührten ... Auch wenn wir die arabische Sprache nicht verstanden, so spürten wir dennoch, dass die Worte sich an Gott richteten.
Danach durften wir noch einige Fragen zur Einrichtung der Moschee stellen, z. B. was sich hinter der kleinen Tür unter der Minbar verbirgt, ob diese Moschee auch einen Muezzin hat, warum es kein Minarett gibt. Zum Schluss fotografierte Herr Bilal die ganze Gruppe und wir bedankten uns für die interessante Führung.
Der Besuch einer Moschee ermöglicht den Zugang zu einer Religion mit allen Sinnen; dies gilt besonders, wenn man an einem Gottesdienst oder – wie in unserem Fall – an einem Mittagsgebet teilnehmen kann und von einem Angehörigen der Religionsgemeinschaft geführt wird!
Klasse 8a/b Humboldt-Gymnasium Ulm
21. Dezember 2009
Hannah Richter (Evangelische Religionslehrerin am Humboldt-Gymnasium Ulm)




